Hannes Wader
Lied vom Tod (Fortsetzung)
Ansich sollte dieses Lied vom Tod schon längst zu Ende sein
Nur fällt mir zu dem Thema jeden Tag was Neues ein
Zum Selbstmord auf Grund schwerer Altersleiden beispielsweise
Und überhaupt, dass ich mein Testament noch machen muss
Wem ich was vermachen will vor meiner allerletzten Reise
Dazu hier noch ein paar Verse, dann ist damit erstmal Schluss

Nein, ich will euch noch nicht verlassen
Doch mich mit der Endlichkeit
Mal gedanklich zu befassen
Wird für mich so langsam Zeit

Ich bin keiner der wie Dagobert Duck in Dukaten schwimmt
Mein Erspartes, eigentlich für meinen Nachkommen bestimmt
Will ich lieber jetzt in diesen Krisenzeiten selbst verprassen
Vielleicht ist es Morgen nicht mehr da oder schon nichts mehr Wert
Und das alles weil wir uns von den Banken ausrauben lassen
Anstatt es so wie die zu machen, nur eben umgekehrt

Und mich vor den Zug zu werfen kommt für mich nicht in Betracht
Ich denke an die Lokführer, was das mit denen macht
Seelisch nimmt sie das schwer mit, viele müssen sich entschließen
Den Job zu schmeißen. Aber erwischt ihr mich wohlmöglich doch
Dabei wie ich mich auf die Schienen lege, könnt ihr mich erschießen
Merkt euch das für später mal, jetzt wartet damit erst mal noch
Vielleicht will ich ja beerdigt werden, weiß nur noch nicht wo
Wegen Platzmangel habe ich gehört werden in Tokyo
Die Toten schon seit längerem aufrecht stehend begraben
Selbstmörder buddelt man dort mit dem Kopf nach unten ein
Gute Aussicht kein Japaner bin, das muss ich nicht noch haben
Wenn dann will ich lieber auf gut Deutsch liegend bestattet sein

Nein, ich will euch noch nicht verlassen
Doch mich mit der Endlichkeit
Mal gedanklich zu befassen
Wird für mich so langsam Zeit

Will auch nicht einst als Attentatsmärtyrer neben Allahs Thron
Von Jungfrauen verwöhnt werden, die gehn mir jetzt ja schon
Hier im Diesseits tierisch auf die Nerven, ich denke ich lasse
Den Plan mich in die Luft zu sprengen ganz auf sich beruhn
Und weil ich nicht mal Politiker und Banker richtig hasse
Seh ich keinen Anlass mehr gegeben denen was zu tun

Das der Teufel, wenn er alt wird, Mönch werden will das gilt
Nicht für mich, ich bin nicht fromm aber inzwischen altersmild
Will ich Gottes Existenz nicht mehr so vehement bestreiten
Wie in meiner Jugend. Ob es Gott gibt oder nicht ist mir egal
Habe weder Lust mich auf das Paradies vorzubereiten
Noch auf ein Fegefeuer und ewige Höllenqual
Das ich mich noch ab und zu, obschon mit einem Bein im Grab
Über Manches amüsieren kann streite ich gar nicht ab
Unter anderem ist es mit jetzt eine Freude zu entdecken
Das ich nichts mehr beweisen muss und ich somit die Welt
Auffordern kann mich ein für alle Mal am Arsch zu lecken
Selbstredend sind die die mich lieben davon freigestellt

Nein, ich will euch noch nicht verlassen
Doch mich mit der Endlichkeit
Mal gedanklich zu befassen
Wird für mich so langsam Zeit